praktische Tipps & Erfahrungen

Blühwiesen
Insekten mögen es abwechslungsreich
Insektenfreundliche Bepflanzung
Tipps zum Pflanzenschutz

Natur- und Lehrgarten Pobershau Foto: LPV

Blühwiesen

Vielleicht haben Sie ja eine kleinere oder größere Wiese und möchten diese gerne in eine Blühwiese verwandeln. Zu allererst schauen Sie sich ihre Wiese einmal an. Was wächst denn da so? Viel Gras und überwiegend Löwenzahn – dann hilft hier nur eine Neuansaat. Dafür muss der Boden gut vorbereitet werden.

Eine gute praktikable Anleitung finden sie hier: https://www.schmetterlingswiesen.de

Vielleicht ist Ihre Wiese ja auch artenreicher als gedacht. Lassen Sie sich beraten, wenn Sie nicht über genügend eigene Artenkenntnisse verfügen.

Versuchen Sie, die Wiese nur 1 bis 2-mal im Jahr zu mähen. Benutzen Sie für die Mahd am besten einen Balkenmäher, der etwas höher eingestellt wird. Optimal sind 8 bis 10 cm. Damit haben die Insekten oberhalb und unterhalb der Schnittebene eine Chance zum Überleben. Mähgeräte mit einem Rotationsmähwerk (Rasenmäher, Rasentraktor) weisen eine fast doppelt so hohe Schädigungsrate von Tieren auf im Vergleich zum Messerbalken.

Wer’s sportlich mag, kann sich auch mal mit der Sense ausprobieren.

 

Was sollte noch beachtet werden:

  • Nicht die gesamte Fläche auf einmal mähen. Lassen Sie im Idealfall ein Drittel stehen. Somit kann ein Teil der Insektenpopulation überleben und sich weiter vermehren.
  • Lassen Sie das Mahdgut ein paar Tage liegen. Somit können die noch lebenden Insekten auf die nicht gemähten Flächen wechseln und sich dort weiter vermehren.
  • Entfernen Sie dann das Mahdgut komplett von der Wiesenfläche. Der Einsatz von Mulchern kann nicht empfohlen werden, da der verbleibende Mulch verrottet und somit die Fläche düngt. Je karger die Wiese, umso vielfältiger blüht sie. Auch führt das Mulchen oftmals zu Schimmelbildung
  • Lassen sie einen Streifen stehen, der überwintert. Warum? Das erklärt sich am besten durch die nachfolgende Grafik:
Metarmorphose Schmetterling Bild: www.schmetterlingswiesen.de

Wir sehen hier den Entwicklungszyklus beim Schmetterling. Aus dem Ei entwickelt sich eine Raupe, die sehr hungrig ist und viel frisst. Sie wächst und häutet sich ein paar Mal, bis es Zeit wird, sich zu verpuppen. Die Raupe befestigt sich mit einem Seidenfaden an einem Grashalm oder Pflanzenstängel und bildet ein Kokon aus. In diesem wird sie die nächsten Wochen bzw. Monate verbringen. Im Inneren des Kokons findet jetzt etwas total Spannendes statt. Die Raupe löst sich mehr oder weniger in eine Art „Ursuppe“ auf. Daraus entwickelt sich dann eine vollkommen andere Körperform –der Schmetterling.

Dieses Stadium der Verpuppung durchlaufen die Schmetterlinge auch im Winter. Wenn also im Herbst die Wiese komplett abgemäht wird, dann sterben alle Schmetterlinge im Verpuppungsstadium ab. Darum ist es so wichtig, immer einen Streifen überwintern zu lassen.

Tipp: Nicht jeder findet ungemähte Wiesen toll. Mähen Sie daher stets den Randbereich und stellen sie eine kleine Infotafel auf.

Insekten mögen es abwechslungsreich

Wussten sie schon, dass viele unserer Wildbienen nur einen begrenzten Flugradius haben? Je nach Art liegt dieser zwischen 50 bis 300m. Im Vergleich dazu kann eine Honigbiene bis 5 km weit fliegen.

Jetzt stellen sie sich einmal vor, so eine Wildbiene erblickt in ihrem Garten oder auf der Wiese im Park das Licht dieser Welt. Das Buffet ist reichlich gedeckt. Überall blüht es…Nun kommen sie oder der Bauhofmitarbeiter mit dem Rasenmäher und schwups ist alles wieder ordentlich kurz. Wo vorher ein Überangebot an Nahrung war, herrscht plötzlich akuter Nahrungsmangel. Auch wenn ihre Gartenwiese nicht so groß ist, wenn ihre Gartennachbarn auch gemäht haben, dann sind 50 m Flugradius schnell ausgereizt.

Sorgen sie also dafür, dass immer etwas blüht in ihrem Garten. Optimal vom Frühling bis zum Herbst. Auch ist es gut zu wissen, dass viele unserer heimischen Wildbienen bzw. Schmetterlinge sich auf bestimmte Nahrungspflanzen spezialisiert haben. So zum Beispiel die Natternkopf-Mauerbiene. Wie der Name schon sagt, braucht sie zum Überleben den blaublühenden Natterkopf. Dieser ist aber auch gleichzeitig Nektarlieferant  für verschiedene Schmetterlinge, wie den Dickkopffalter und den Schwalbenschwanz.                                                                  

Der Garten kann aber noch mit einigen anderen Elementen insektenfreundlich aufgewertet werden:

Totholzhaufen

Ob Vögel, Insekten, Eidechsen, Spinnen, Igel-sie alle profitieren vom Totholz. Denn er stellt einen wertvollen Lebensraum dar. Er dient als:

  • Schlafplatz und Versteckmöglichkeit
  • Nahrungsquelle, besonders im Winter
  • Baumaterial für frühfliegende Insekten
  • Kinderstube
  • Gestaltungselement im Garten

Je dicker das Holz, umso attraktiver der Lebensraum. Es spielt auch keine Rolle, ob sie einen Schattigen oder sonnigen Platz auswählen. Also überlegen sie gut, wenn im Herbst wieder Astschnitt anfällt. Wo in ihrem Garten können sie einen Totholzhaufen gut  tolerieren? Eine weitere Verwendungsmöglichkeit für Schnittgut von Bäumen und Sträuchern ist eine

Benjeshecke

Der Permakulturgärtner Hermann Benjes entwickelte hiermit die Möglichkeit, mit anfallendem Geäst – und Heckenschnitt eine natürliche Begrenzung zu schaffen. In der Regel sind diese Hecken zwei bis vier Meter breit und ca. einen Meter hoch. Dabei werden im gleichmäßigen Abstand angespitzte Pfähle in den Boden geschlagen und das Material ein geschlichtet. Fertig. Robinien –oder Kastanienholz eignen sich wegen ihrer Witterungsbeständigkeit am besten, oder aber Einschlaghülsen aus Metall.

Diese natürliche Begrenzung dient vielen Arten als Versteck und Nistplatz. Sie ist kostengünstig, einfach zu bauen und nützlich für unsere tierischen Gartenbesucher.

Es gibt aber noch weitere belebende Elemente im Naturgarten. So zum Beispiel eine Steinpyramide bzw. Steinhaufen.

Diese bieten Unterschlupf für Insekten, aber auch eine Sonnenbank für Reptilien. Darüber hinaus ist so eine Pyramide auch ein tolles Gestaltungsobjekt.

Vom Hortus-Netzwerk (Link hortus-netzwerk.de) wurden in den letzten Jahren auch das Sandarium und der Käferkeller entwickelt.

Sandarium

Um den Sinn eines Sandariums besser zu verstehen, muss man wissen, dass ca. 75 % aller Wildbienen im Boden nisten. Sie graben dort ihre Löcher bzw. Röhren, in denen dann ihre Brut heranwächst.

Leider gibt es immer weniger freie Sandflächen. Mit dem Bau eines Sandariums kann da ein Lebensraum für Wildbienen geschaffen werden.

Der Bau ist relativ einfach: Es wird eine ca.30 cm. tiefe Mulde ausgehoben 
(Mindestgröße sollte 40 x40 cm sein)und mit groben Sand aufgefüllt. Als Begrenzung dient Totholz. Eine Randbepflanzung mit Johanniskraut und Thymian liefert dann auch ein entsprechendes Nahrungsangebot

Blumenbuffet vom Frühling bis in den Herbst

Damit es im Garten bereits im Frühjahr blüht, stecken sie im Herbst großzügig Frühblüherzwiebeln bzw. –knollen. Greifen sie zu Wildsorten bzw. ungefüllte Züchtungen, damit die Insekten diese auch als Nahrungsquelle nutzen können.

Staudenbeete können so angelegt werden, das von März bis Oktober immer etwas blüht. Besonders empfehlenswert sind Wildstauden.

Haben sie Mut und lassen sie alte Blühstände über den Winter stehen. Somit schaffen sie ein zusätzliches Nahrungsangebot. Einige Insekten nutzen die Pflanzenstengel als Nist –oder Schlafplatz.

 

Insektenfreundliche Bepflanzung

Wer kennt sie nicht, die wunderschönen Balkonkästen mit Hängegeranien bzw. Petunien. Sie sehen schön aus und ziehen die Bienen durch ihren Duft auch an, bieten ihnen aber keinen bzw. nur sehr wenig Pollen und Nektar an.

Woran liegt das? Diese Pflanzen wurden auf Schönheit gezüchtet. Ihre Staubblätter wurden in Schaugebilde umgewandelt. Keine Staubblätter, kein Pollen. Nektar gibt es auch keinen bzw. käme die Biene durch die Blütenblätterfülle auch gar nicht heran. Aus Sicht der Wildbienen also eine Mogelpackung…

Das heißt jetzt aber nicht, dass sie nie wieder ihre geliebten Geranien auf den Balkon stellen sollen. Aber vielleicht denken sie mal über eine Alternativbepflanzung nach und fangen einfach mal mit einem Blumenkasten oder Kübel an.

Aus eigenen Erfahrungen können wir hier über die Bepflanzung mit Küchenkräutern berichten:

Bepflanzt wurde ein Kasten mit Salbei, Lavendel, Mauerpfeffer und kleinwüchsiger Fetter Henne. Der Kasten steht an der Südseite und hat auch den Winter gut überstanden.

Als Kübelbepflanzung können wir die niedrige Kapuzinerkresse, kombiniert mit Schnittlauch, Thymian und Mauerpfeffer empfehlen.

Weitere Anregungen und Tipps erhalten sie sicher in ihrer regionalen Gärtnerei.

Das Netzwerk „Blühende Landschaft“ hat eine Liste mit geeigneten Pflanzen zusammengestellt: https://bluehende-landschaft.de/wp-content/uploads/2020/02/NBL-30_Liste_Bl%C3%BChender_Balkonkasten-2016.pdf

Tipps zum Pflanzenschutz

Praxistipps zum Pflanzenschutz

Pflanzenschutzmittel sind zum einen Mittel gegen Schädlinge und zum anderen werden sie zur Unkrautbekämpfung eingesetzt.

Jeder Landwirt bzw. Berufsgärtner benötigt für die Ausbringung von chemischen Pflanzenschutzmitteln einen Sachkundenachweis. Dagegen kann jeder Bürger in den Baumarkt gehen bzw. über das Internet sich seine Mittel dort kaufen…

Und genau hier besteht  das Risiko von Fehlanwendungen. Wenn das Präparat nicht ordnungsgemäß im Rahmen des gesetzlichen Zulassungsverfahrens eingesetzt wird, sind unvertretbare Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen.

So können bei unsachgemäßen Einsatz:

  • Wirkstoffe beim nächsten Regen abgewaschen werden und über den Gulli ins Abwasser gelangen bzw. finden sie einen Weg und gelangen letztendlich ins Grundwasser
  • Gewässer können belastet werden.
  • Andere Pflanzen und Tiere können beeinträchtigt werden bzw. sterben. So auch zahlreiche Nützlinge wie Bienen und Marienkäfer
  • Manche Wirkstoffe bauen sich nur sehr langsam im Boden ab. Somit kann es durchaus möglich sein, das im nächsten Jahr Pflanzen mit diesen Mitteln in Kontakt kommen, für die sie nicht bestimmt sind.
  • Einige Wirkstoffe können sich in der Nahrungskette ansammeln. Das bedeutet, dass die Tiere, die weiter oben in der Nahrungskette stehen, mit der Zeit auch große Mengen an verschiedenen Wirkstoffen aufnehmen. Zum Beispiel nimmt der Regenwurm diverse Wirkstoffe auf, der wird vom Maulwurf gefressen und dieser evtl. von einer Katze…
  • Verschiedene Wirkstoffe können sich in ihrer Giftigkeit möglicherweise verstärken.

Auch wenn vielleicht im eigenen Garten nur eine geringe Wirkstoffmenge anfällt, es summiert sich. Denn in Deutschland gibt es etwa 20 Millionen Hausgärten und eine Million Kleingärten.

Darum sollte jeder Hobbygärtner und jede Kommune der Umwelt zuliebe genau Nutzen und Umweltrisiken gegeneinander abwägen.

Hier ist es hilfreich sich folgende Fragen zu stellen:

  • Habe ich Vertrauen in die Natur und kann den Schaden unbehandelt tolerieren? Blattläuse im Frühjahr sind zum Bsp. eine wichtige Nahrungsquelle für viele Blattlausvertilger.
  • Gibt es Alternativen im nichtchemischen Bereich bzw. umweltfreundliche Pflanzenschutzmittel?

Wie wirken Pflanzenschutzmittel?

Der beliebte Unkrautvernichter  „Roundup“ enthält das Totalherbizid  Glyphosat.

Dieses dringt über die grünen Pflanzenteile ein und lässt die unerwünschten Pflanzen absterben.

Es verringert damit aber auch die Nährstoffaufnahme der anderen Kulturpflanzen, somit muss mehr gedüngt werden. Die Anfälligkeit gegenüber Schadinsekten wird vergrößert und der Ertrag ist rückläufig.

Schon lange steht Glyphosat unter Verdacht krebserregend zu sein. Auf alle Fälle wirkt es im direkten Kontakt über die Haut bzw. Atemwege toxisch. Durch die Vernichtung von unerwünschten Wildkräutern durch den Einsatz von Glyhphosat wird vielen Insekten und Vögeln die Nahrungsgrundlage genommen und somit die Artenvielfalt dezimiert.

In Frankreich ist der Einsatz von Glyphosat im Haus- und Gartenbereich bereits verboten.

Neben Roundup gibt es noch eine Vielzahl von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmittel.

Die NABU hat auf ihrer Internetseite eine Liste dieser Mittel aufgelistet. (https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/pflege/giftfrei/20729.html )

 

Aber auch die verschiedenen handelsüblichen Insektizide sind höchst problematisch. So sind fast alle giftig für Algen, Fische und Fischnährtiere. Viele sind als bienengefährlich eingestuft. Sie sind schädigend für eine Vielzahl an Nutzorganismen und dürfen nicht in Gewässer gelangen. 

Auch hier hat die NABU eine entsprechende Liste auf ihrer Seite:

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/gartenarbeit/16148.html

 

Vorschläge zum giftfreien  gärtnern

  • Wählen sie robuste Pflanzensorten – egal ob Tomaten, Obstgehölze oder Ziersträucher. Es gibt mittlerweile viele Pflanzensorten, die gegenüber den typischen Krankheiten entweder resistent sind bzw. eine hohe Widerstandskraft aufweisen.
  • Greifen sie zum Werkzeug – ob Hacke, Fugenkratzer, Vertikutierer oder Wurzelstecher. Mit ihrer Hilfe bekommen sie ihren Garten auch ohne Chemie unkrautfrei und sparen sich das Fitnessprogramm. Wichtig: Rücken sie den Wildkräutern noch vor der Samenreife zu Leibe und stechen sie auch die Wurzeln mit aus.
  • Nützlinge im Garten fördern – effektiv und einfach.            Vögel benötigen viele Raupen um ihre ständig hungrigen Jungen aufzuziehen. Die Leibspeisen von Igel und Glühwürmchenlarven sind Schnecken und hinter den Blattläusen sind neben Marienkäfer, Schwebfliegen, Schlupfwespen und Florfliegen auch noch die Raubwanzen her.- hoffentlich sind genug Blattläuse für alle da .

Gestalten sie ihren Garten möglichst naturnah. Also abwechslungsreich, mit Totholz-und Blätterhaufen, einer Brennnesselecke, einem kleinen Teich oder einer Wildobsthecke. Ziehen sie beim Neukauf von Pflanzen die ungefüllten Sorten vor, denn diese sind für Insekten besonders wertvoll

 

  • Mit Mulch gegen die Wildkräuter – ob mineralisch oder pflanzlich, Hauptsache abgedeckt.

Durch das Mulchen wird der Boden vor Witterungseinflüssen geschützt. Vor allem bei starker Sonneneinstrahlung hilft die Mulchschicht vor dem Austrocknen. Beim Einsatz von organischem Mulchmaterial wird der Boden zusätzlich mit Humus angereichert. Damit wird das Bodenleben gefördert.

Natürlich hat das Mulchen auch einen Nachteil: Schnecken lieben organisches Mulchmaterial. Daher sollten sie das Salatbeet eher nicht mulchen…

Eine Kombination von Zeitungspapier und Rindenmulch hilft Wildkräuter zu unterdrücken.

 

  • Schließen sie Frieden mit den ungebetenen Gästen

Einige Wildkräuter eignen sich hervorragend zum Pflanzenschutz:

  • Schachtelhalmbrühe zur Stärkung der Pflanzen gegen Mehltau und Sternenrußtau
  • Brennnnesseljauche zum Düngen und Schädlingsabwehr, der Sud hilft bei Läusebefall
  • Beinwell unterstützt die Kompostierung

           Nähere Infos finden sie unter Rezepte (LINK)

Andere Pflanzen können sie sehr gut in der Wildkräuterküche verwenden. So zum Bsp. Löwenzahn, Giersch, Gundermann, Spitzwegerich, Brennnessel, Gänseblümchen und, und, und   Link Rezepte mit Wildkräutern               (LINK REZEPTE)

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